Volksbank Viersen wehrt sich gegen regulatorische Bürde

Gedankenaustausch in Düsseldorf

Gedankenaustausch in Düsseldorf
Tauschten sich aus (von links): Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des RWGV, Burkhard Balz, CDU-Europaabgeordneter, Jürgen Cleven, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Viersen und Siegfried Mehring, Vorstandsmitglied des RWGV

„Die regulatorische Bürde, die die Volksbank Viersen seit der Finanzkrise tragen muss, wird immer schwerer – das muss sich dringend ändern!“. Das erklärt Jürgen Cleven, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Viersen, im Anschluss an ein Gespräch von Genossenschaftsbankern mit dem Europaabgeordneten Burkhard Balz. Zu dem Gespräch in Düsseldorf hatte der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) eingeladen. Dass Balz die negativen Folgen der Regulierungswelle in den Blick genommen hat, begrüßten die teilnehmenden Genossenschaftsbanker einhellig.

Im EU-Parlament ist der CDU-Politiker Koordinator der EVP-Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Währung und u.a. Berichterstatter für das Thema „EU-Vorschriften für den Finanzdienstleistungssektor“. Balz setzt sich für den Erhalt der Vielfalt auf dem Bankenmarkt ein und will Finanzdienstleister stärken, die in besonderem Maße der Realwirtschaft dienen. "Hier spielen insbesondere die Genossenschaftsbanken, die ein nicht wegzudenkender Teil der deutschen Bankenlandschaft sind, eine wichtige Rolle. Daher setze ich mich für Diversität im Bankensektor ein und dafür, dass auch andere Länder das erfolgreiche Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken anerkennen und als Vorbild ansehen."

Wenn es um die Unterstützung der Realwirtschaft geht, spielen Genossenschaftsbanken eine zentrale Rolle, wie Jürgen Cleven berichtet. „Gemessen an unserer Größe vergeben wir erheblich mehr Mittelstandskredite als die deutschen Großbanken. Das liegt auch daran, dass wir besonders enge Beziehungen zu unseren Mitgliedern und Kunden vor Ort unterhalten“. Allein 2015 steigerten die 180 Genossenschaftsbanken im RWGV ihr Firmenkreditvolumen um 4,6 Prozent auf 74 Mrd. Euro, wie Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des RWGV, berichtete. Auch der Zulauf der Sparer war ungebrochen hoch – die Kundeneinlagen nahmen um 4,2 Prozent zu.

„Der deutsche Mittelstand investiert – und das ist nicht zuletzt der tatkräftigen Unterstützung der Volksbanken und Raiffeisenbanken zu verdanken“, erklärt Barkey. Umso wichtiger sei es, dass die Genossenschaftsbanken nicht durch überbordende Regulierung ausgebremst würden – zum Beispiel durch immer weiter zunehmende Meldepflichten. Jürgen Cleven bestätigt dies: „Wie eine Studie unseres Bundesverbandes BVR gezeigt hat, belasten diese aufwendigen Datenmeldungen an Aufseher und Zentralbanken kleinere Banken über Gebühr. Denn natürlich hat eine Genossenschaftsbank mit 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie die Volksbank Viersen, andere Voraussetzungen als eine internationale Großbank.“ Die Kosten für all die zusätzliche Bürokratie müssten von Kunden und Mitgliedern getragen werden, betont Cleven. Im schlimmsten Fall könnten sich kleine Genossenschaftsbanken all die benötigten zusätzlichen Spezialisten gar nicht mehr leisten. „Das kann doch auch nicht im Interesse der Regulierer sein!“, meint Cleven.   

RWGV-Vorstandsmitglied Siegfried Mehring machte deutlich, dass es vor allem nicht einzelne Regelungen sind, die für sich genommen den Banken Schwierigkeiten machen. „Es ist vielmehr die Fülle an Themen und Bürokratie, die gerade kleinere Häuser belastet, ohne dass dadurch eine bessere Erkenntnis zur Lage dieser Kreditgenossenschaften entsteht“.